Erfurter Großstadtkinder vom Abenteuer Natur überzeugen

Thüringer Allgemeine (TA) Erfurt, 24.04.2013

 

Den Ofen selbst heizen, draußen schlafen, Nachtwanderungen das erfordert wahrlich Elan. Doch nicht deshalb heißt der Verein, der im Haus des Landesfilmdienstes in der Brühler Straße sein Stadtbüro hat, so. Bei Elan stehen die Buchstaben für Erleben und Lernen durch Abenteuer in derNatur, sagt Geschäftsführer Stefan Linke.
Und das umschreibt treffend das erlebnis- und umweltpädagogische Wirken der40 Vereinsmitglieder. Aber wie abenteuerlustig sind eigentlich Großstadtkinder?
Stefan Linke lächelt wissend. „Es gibt schon Vorbehalte. Und die werden von uns auch ernst genommen“, sagt er. Das heißt: Vor der Klassenfahrt sind Fragebögen auszufüllen. Immerhin will man fünf Tage – und Nächte – miteinander
auskommen. Was Stefan Linke dabei sachlich als „Rausholen aus der Komfortzone“ beschreibt, lässt Neubau- wie Einfamilienhauskinder erst einmal tapfer schlucken. Letztlich lassen sich jedoch die meisten begeistern, ganz ander
e Erfahrungen zu sammeln.
Gruseln gehört zur Nachtwanderung.

Die Sinne werden sensibilisiert, eigene Kompetenzen fernab von Klassenarbeiten aufgespürt. Im sozialen Miteinander auf engem Raum oder bei den Aufgaben für die Gruppe entstehen neue Sichtweisen und Beziehungen. Angst auf der Nachtwanderung ist normal. Und wenn diese überwunden ist, wirkt die Ermutigung auch in anderen Alltagssituationen, schildern die Elan-Mitarbeiter. Im Elan-Objekt „Talmühle Cursdorf“ waren jetzt im April beispielsweise eine 6. Klasse des Heinrich-Mann-Gymnasiums sowie eine 4. Klasse der Grimm-Europaschule. Sie haben sich selbst versorgt, saßen am Lagerfeuer, behaupteten sich bei Abenteuerspielen sowie beim Klettern und Abseilen. Da bekommt dieBewertung „unvergessliches Erlebnis“ einen ganz eigenen Klang. Ein zweites Vereinsobjekt ist das „Natur-Erlebnis-Zentrum Sormitztal“ mit Wohnbungalows und Seminarräumen.
Gegründet wurde der Verein Elan vor 15 Jahren von Studenten der Pädagogik aufdem Uni-Campus. Ihre Studienschwerpunkte reichten von Sozialpädagogik über Sportwissenschaften, Umweltpädagogik und Motologie bis zu angehenden Grund- und Regelschullehrern.
Heute bilden 37 Mitglieder, 2 Festangestellte, 20 freie Mitarbeiter und im Jahresverlauf bis zu 5 Praktikanten sowie Bufdis (Bundesfreiwilligendienst) eine Gemeinschaft. Vereinsvorsitzender ist der Psychologe Daniel Knackstedt.

Stolz ist man auf das Qualitätssiegel „beQ – Mit Sicherheit pädagogisch“ vom Bundesverband für Individual- und Erlebnispädagogik, denn das bestätigt sowohl die Qualität wie auch die dahinter stehende Sicherheit der Programme. Bisher ist der Verein Elan thüringenweit der einzige Siegel-Inhaber.
„Im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt sind wir auch anerkannter Träger der freienJugendhilfe“, wünscht sich Stefan Linke diese Akzeptanz auch von der Stadt Erfurt. Nicht als Geburtstagsgeschenk zum 15-jährigen Bestehen, sondern für die
gute Arbeit. Dazu gehören unter anderem Schulprojekte, Veranstaltungen für die Johanniter-Jugend fürs Freiwillige Soziale Jahr, im Projekt Ganztagsschulen die Arbeitsgemeinschaft „Abenteuerspiele“ an der Lindgren-Schule. AlleVereinsaktivitäten hier aufzulisten, das würde den Platz sprengen. Aber der Elanreicht weit.
Iris Pelny