Einmal leben wie Robin Hood

Wissen Sie, welche Pflanzen essbar sind? Können Sie über dem offenen Feuer grillen, ohne das alles verbrennt? Nein? Dann haben Ihnen sieben Schüler der Regelschule 25 aus Erfurt etwas voraus. Die Jungen im Alter zwischen und 13 und 16 Jahren waren vom 15. bis 18. Juni 2011 in einem Wildniscamp im Wald bei Paulinzella. Sie wollten mit diesem Projekt einmal so leben wie Robin Hood und Abenteuer und Leben in der Natur verbinden, aber auch ihre Schwachstellen und Ängste in einem ungewohnten Lebensraum ausloten. In Annegret Sattler, pädagogische Mitarbeiterin beim ELAN e.V. Erfurt und Sven Ramdor, Schulsozialarbeiter beim PERSPEKTIV e.V. Erfurt, hatten die Jungen zwei erfahrene Betreuer an ihrer Seite, die viel Wert auf die Gemeinschaft aber auch auf das Lernen durch die eigene Erfahrung legten.

 

 

Geht das überhaupt, mit einfachen Mitteln draußen in der Natur für ein paar Tage zu leben? Was für die sieben Jungen am Morgen des ersten Tages bei der Abfahrt am Erfurter Hauptbahnhof noch eine fremde Welt war, wird spätestens am Abend zum Abenteuer. Das Waldlager mit den Schlafplätzen ist fertig gebaut und nur mit ein paar Decken oder Schlafsäcken ausgestattet. Die selbst eingekauften Nahrungsmittel und die übrigen mitgebrachten Habseligkeiten füllen den übrigen Platz aus. Nur einer der Jungen hat sein Handy mitgenommen, aber der Handy-Empfang im Wald ist schlecht. Strom gibt es hier sowieso nicht, also ist der MP3-Player auch keine Alternative und Fernsehen fällt auch aus. Was tun an so einem Abend? Zum Beispiel lernen, wie ein Lagerfeuer gemacht wird oder wie köstlich Stockbrot schmeckt. Nach einer kleinen Nachtwanderung schlafen alle an diesem langen und aufregenden ersten Tag im Wildniscamp ziemlich schnell ein. Wer nachts mal raus muss, der ertastet die Taschenlampe und sucht sich einen Weg durchs Unterholz. Eine Toilette mit Wasserspülung gibt es nicht. Begleitet wird diese nächtliche Wanderung vom Knacken der Äste unter den Füßen und unbekannten Geräuschen.

 

 

 

Nach einer Nacht in einem Bett, das eigentlich keines ist, sind alle ziemlich kreuzlahm und dennoch stolz auf sich. Aber die nächsten Aufgaben warten schon. Vor dem gemeinsamen Frühstück muss Feuer gemacht und Wasser am Bach gesammelt werden. Dann geht es auf Entdeckungstour:
Essbare Pflanzen finden, Tierspuren folgen, schnitzen üben, klettern, bei einem Fischzüchter Forellen fischen und selbst ausnehmen, am Abend die Sterne beobachten. Die Natur wird inzwischen schon weniger als Abenteuerspielplatz gesehen und die Jungen erleben sich – wenn auch noch unbewusst – mehr und mehr als Teil der Natur. In diesem Sinne war auch die besondere Herausforderung zu verstehen, sich für eine Nacht von der Gruppe zu trennen und allein im Wald zu schlafen. Nur einer der Jungen war so mutig, alle anderen waren nur zu zweit zu diesem Schritt bereit. Der Wald als Bedrohung oder waren da doch eher diverse Filme aus dem Fernsehen schuld an solchen Ängsten?

Die Tage im Wildniscamp war für die sieben jungen Schüler aus der Erfurter Regelschule 25 am Roten Berg ein Erlebnis, das sie so nicht erwartet und nicht so schnell vergessen werden. Das Leben im Wald hat alle ihre Sinne gefordert, sie haben Mut bewiesen, Ängste überwunden und auf Annehmlichkeiten verzichtet oder nicht wirklich vermisst. Die Gruppe ist enger zusammengewachsen und alle haben sich vorgenommen, sich bald einem neuen Projekt zu stellen.